Popular Post

Archive for September 2018

[Pokédraw Story] - Kapitel 1: Katarina



Video: https://www.youtube.com/watch?v=5ScKIyneyKc
Cesca war sowas von langweilig. Der Name selbst war schon ziemlich unkreativ und so unkreativ der Name, so auch unkreativ waren auch die Leute. Jeder blieb dort, wo er war. Keiner kam auf den Gedanken diese kleine Stadt zu verlassen, irgendwo anders hinzugehen, raus in die freie Welt.... Dieser Ort war an einer riesigen Felsklippe, die die Gesichtsform eines Palkias hatte, jenes legendäre Pokémon, dass den Raum verzerren konnte. Hier in „Cesca“… verdammt können wir sie nicht Einöde des Grauens nennen? Ich bin vierzehn Jahre alt und will aus diesem Kaff heraus! Es gibt nichts, was einen wirklich dort hielt. Nicht einmal Schwimmbad oder gar Kino gibt es dort. Nein unsere Stadt war sogar durch eine Mauer geschützt, damit wilde Pokémon nicht eindringen und Unfug anrichten konnten.
Pokémon, Wesen, die unser Land bewohnen und von denen wir lernen, dass sie gefährlich waren. Pokémon aus der Wildnis waren ungezähmte, wilde Bestien, die einen töten konnten. Ich musste in der Schule so lachen, als Frau Füller unsere Klassenlehrerin einst sagte, dass der Platscher eines Kapardors nicht zu unterschätzen war. Zu Hause besaß ich eine ganze Buchreihe nur über Pokémon und ich wusste das Kapardor eine Witzfigur von Pokémon war, eine Lachnummer seines gleichen.
Doch wir besitzen Pokémon… naja wenigstens die Reichen, denn gezähmte Pokémon kosteten Geld und das nicht zu wenig. Sie gab es bei den reisenden Händlern zu kaufen, die ab und an hier vorbeikamen. So konnte man gleich erkennen, wer genug Geld besaß. Wer ein Pokémon hatte, war reich und wohlhabend. Die Meisten hielten ihre Pokémon als Schmusetier und manchmal taten mir diese Wesen sehr leid, wenn sie Hüte oder Schleifen tragen mussten in denen sie einfach schrecklich aussahen. Aber es gab auch Leute in der Einöde von Stadt, die ihre Pokémon, wie vor vielen Generationen, trainierten und untereinander kämpfen ließen. In unserer kleinen Arena fand regelmäßig ein Wettkampf statt. Dieser Wettkampf war unsere Eintrittskarte an etwas Geld zu kommen, da dort viel gewettet wurde. Wir, also meine Mama und ich, gehören zu dem armen Volk, dass froh war, jeden Abend etwas Nahrhaftes auf den Tisch zu haben. Wir besaßen trotz unseres Status als arme kleine Familien ein Pokémon. Ein Giflor um genau zu sein. Und dieses Giflor setzten wir im Wettkämpfen ein, um noch etwas mehr Geld zu verdienen, denn unsere kleine Apotheke für Menschen und Pokémon reicht nicht aus, um uns über die Runden zu bekommen. Das lag vor allem daran, dass seit einigen Jahren ein Supermarkt in Cesca aufgemacht wurde und bessere und vor allem billigere Arznei anbot. Das nahm uns die Kunden zum Teil weg.
Normalerweise müssten wir bei den reichen Leuten beliebt sein, denn wir besaßen ein Pokémon, doch das war nicht der Fall. Wir wurden sogar noch mehr ausgestoßen und gemieden, denn unser Giflor war ein ungezähmtes, wildes Pokémon und das wurde nicht gern gesehen. Mama hatte es als Myrapla heimlich auf der anderen Seite der Mauer gefunden, dessen Wunden versorgt und auf Gehorsam und Respekt erzogen, sofern das überhaupt möglich war. Das war viel Arbeit gewesen, da es, wenn es wieder die Trotzphase erreicht hatte, Giftpuder ausstieß. Doch meine Mama war die Giftigere und das Pokémon hatte gemerkt, dass es nur etwas zu Essen bekam, wenn es gehorchte. Dann entwickelte Mama die Idee es zu trainieren und eines Morgens rief sie ein lautes HALLO als in dem Gehege kein Myrapla, sondern ein Duflor zu finden war. Das Pokémon hatte sich entwickelt. Und kaum vier Monate später hatte Mutter von etwas Geld einen Blattstein erhalten und nun hatten wir ein kräftiges Giflor, dass sich manchmal sehr divamäßig verhielt. Deswegen nannte ich es Gismara, weil es sich so anhörte wie „Gieß mich mal“ und das sehr hochnäsig klang.
Bald stand der große Wettkampf wieder an und ich konnte jeden Tag von meinem Fenster aus beobachten, wie meine Mutter erbittert mit Giflor trainierte, damit sie es wenigstens ins Halbfinale schafften. Auf einen absoluten Sieg hofften wir nie und es war gut, dass wir niemals den Sieg holten, obwohl uns dann ein ordentliches Sümmchen zu winkte. Denn die Reichen und Wohlhabenden, die ihre Pokémon in den Kampf schickten, waren ganz schlechte Verlierer. Selbst als meine Mutter einst ins Halbfinale kam und einen starken Gegner ausgestochen hatte, der sogar ein Eispokémon namens Keifel besaß bei dem Giflor im Nachteil war, hatte sie am Ende viel einkassieren müssen, ehe der Sheriff der Stadt eingeschritten war. Sie wurde mit einem Eisstrahl attackiert. Direkt aus dem Hinterhalt. Meine Mutter musste tagelang das Bett hüten und warme Getränke zu sich nehmen, damit die Wirkung des Eisstrahles nachließ. Damals war ich zwölf und musste vier Tage die Schule ausfallen lassen, damit das Geschäft lief. Ich wünschte, ich hätte etwas tun können, um es diesem Dreckskerl heim zu zahlen, doch als Kind hast du erstens nichts zu sagen und eines, dass kein Pokémon besaß noch weniger. Demnach wurde ich wie andere Kinder ohne Pokémon gemieden und verspottet, vielleicht sogar noch ein wenig mehr, weil wir ein wildes Pokémon bei uns zu Hause hatten.
Der einzige Grund, wieso ich nicht endgültig zum Sündenbock der ganzen Stadt gemacht wurde war wegen meinem Vater. Mein Vater hatte die kleine Stadt verlassen, da hatte ich gerade erst das Sprechen gelernt. Er war ein Wissenschaftler und wollte draußen seinen Horizont erweitern und uns jeden Monat Geld zu senden, damit wir gut leben konnten. Doch bald hörten diese Sendungen auf und so auch der Kontakt. Meine Mutter entwickelte ein Hass gegen ihn, weil er uns im Stich gelassen hatte und ich musste mit Ansehen, wie sämtliche Erinnerungsstücke meines Vaters aus unserem kleinen Haus verschwanden. Nur ein Medaillon durfte ich behalten mit einem Foto von mir, meiner Mutter und meinem Vater darin. Ich wollte meinen Vater suchen gehen, ihn finden und ihn bitten zurück zu kommen, doch wie, wenn keiner dich durchs Tor ließ?
Doch ich schaffte es, der kleinen Stadt zu entkommen, zwar anders als geplant, aber ok.
Meine Geschichte begann an einem Montag irgendwann im Sommer. Die Sonne brannte so heiß, dass es lebensgefährlich war, ohne Hut aus dem Haus zu gehen. Ich hatte meine Schulsachen gepackt und war nun auf den Weg Richtung Schule. Wir hatten heute Geschichte und Sport, zwei Fächer, die ich öde fand. Wieso sollte ich Geschichte zuhören, wenn man nicht wusste, ob sie stimmte? Es war immer das Gleiche. Pokémon waren Monster und würden bald die menschliche Rasse zerstören, wenn wir ihnen nicht Einhalt gebieten. Deshalb durften wir die Grenzen der Stadt niemals überqueren, da wir sonst dem Tode geweiht waren. Es wurde mit jedem Mal öder. So saß ich desinteressiert an meinem Platz und wurde mit Papierkugeln beworfen, ehe ich von der Seite einen Papierflieger abbekam, auf dem was stand.
Schon eine Einladung zur Sommerfeier?Ach ja, ganz vergessen. Du hast ja für solche Anlässe nicht einmal eine gute Gaderobe.
Ich biss mir auf die Lippen, sah zum offenen Fenster, zerknüllte den Zettel und warf ihn hinaus. Wie auf Kommando, rief mich Frau Füller meine Klassenlehrerin auf, die das gesehen hatte, worauf ich mit einer Unschuldsmiene aufstand und grinste.
„Wie oft habe ich dir gesagt, dass du den Müll nicht aus dem Fenster werfen sollst, Katarina!“, rief sie erzürnt.
„Entschuldigung“, sagte ich mit süßsanfter Stimme, „soll ich den Zettel mit der Verspottung an mich gerichtet wieder holen und ihn dann vorlesen und… ja wieso nicht dem Schreiber dieses Briefchen gleich zurück geben?“
Mit einem Grinsen drehte ich mich zu der Person, die die Queen dieser Klasse war; unglaublich reich, arrogant, besserwisserisch und eine richtige Zicke: Judy.
Das Mädchen mit den blauen Augen, und den blonden Locken sah mich mit einem zerknirschten Gesichtsausdruck zu mir, aber verbat sich jeglichen weiteren Kommentar. Sie würde damit nur ärger bekommen und Madame Klugscheißer wollte ihre Stelle als Vorbild der Schule nicht für so eine rosahaarige Verrückte aufs Spiel setzen.  Frau Füller brummte mir Nachsitzen auf. War die Fünfte für diesen Monat. Mutter würde begeistert sein… nicht. Ich setzte eine undurchdringliche Miene auf, nickte kurz und dieser Spagel von Lehrerin setzte ihren Unterricht wieder fort.
Nach dem Unterricht schickte ich Mutter eine Nachricht, dass ich nachsitzen musste. Jeder in meinem Alter von vierzehn Jahren würde sich eine Ausrede einfallen lassen, doch ich habe früh gelernt, lieber gleich die Wahrheit zu sagen, statt Lügen zu spinnen. Irgendwann kam die Wahrheit sowieso ans Tageslicht.
Da piepste mein Cyrocom und ich sah, dass Mutter wieder sehr schnell war eine Strafe für mich einfallen zu lassen. Ich durfte mit Gismara Beeren sammeln und dann daraus Pokériegel erstellen. Also hatte Mutter wieder den Plan festgelegt, dass das Giflor für einige Schönheitswettbewerbe wieder fit gemacht werden sollte, da diese auch ziemlich viel Geld einbrachten. Ich schrieb eine kurze Zusage und ließ die Stunde Nachsitzen im leeren Klassenzimmer über mich ergehen. Einen Vorteil hatte das Ganze. Man konnte sehr gut über alles nachdenken.
Im Spiegel konnte ich mich selbst sehen, wie ich gelangweilt an meinem Schreibtisch saß, die blauen Augen halb geöffnet, das rosane Haare bis zum Kreuz und meine lässigen Klamotten an meinem viel zu dürren Körper, die oft die Farbe lila aufwiesen, weil sie genau das ausdrückte, was die Farbe sagte: Eine unbefriedigte Frau. Naja eher ein unbefriedigter Teenager. Und weshalb war ich unbefriedigt oder besser gesagt unzufrieden, um nicht zu denken ich hätte wie andere Mädchen nur Jungs und Sex im Kopf? Für mich gab es nur diese Stadt. Alles was außerhalb der Mauern geschah, war für mich fremd. Wie ich vorhin gesagt hatte, lebten dort Pokémon und sie waren gefährlich, ja sogar tödlich. Wir bekamen als Erstes in der Schule beigebracht keine dummen Fragen zu den Mauern zu stellen und weshalb wir hier drin waren und uns nicht herauswagen durften. Dabei kamen ab und an Besucher zu uns und erzählten von Orten weit von hier entfernt, jenseits des Waldes.Doch oft waren es nur Leute aus der Firma Cyro, die uns mit Lebensmitteln, Technik und allen versorgten und bei denen wir auch Pokémon kaufen konnten. Sie waren, laut ihrer Aussage die Einzigen, die diese ungezähmten Bestien bezwingen konnten. Sie achteten darauf, dass keiner hinterfragte, weshalb Pokémon so gefährlich seien und nur sie diese zähmen konnten und stellte das jemand in Frage, war er tagelang verschwunden und kam als verängstigtes Kind zurück und zweifelte an nichts mehr. Einer davon war mein Mitschüler Marc gewesen, den ich einst bewundert hatte. Er und ich besaßen Bücher aus vergangener Zeit in denen Menschen und Pokémon miteinander gelebt hatten. Friedlich wohl gemerkt. In seiner Geschichte ging es um einen Trainer namens Blau, der von seinem Opa die Aufgabe bekam einen sogenannten Pokédex zu vervollständigen. Ich hatte auch eine Geschichte, doch hier wurde von einem Trainer namens Rot erzählt, der viele Fehler machte, aber dann seinen Weg fand, während Blau an seinem Ehrgeiz scheiterte und dann die Pokémon richtig schätzte. Marc hatte es gewagt in der Schule dieses Buch bei einer Buchpräsentation zu zeigen. Kaum war Schulschluss gewesen hatten Beamten von Cyros auf ihn gewartet und ihn mitgenommen. Das Buch wurde ihm entwendet und von einem Magmar verbrannt.
Drei Tage später tauchte er in der Schule wieder auf. Als ich ihn auf das Buch ansprach, schrie er und rief: „ich war lieb gewesen. Bitte bestraft mich nicht.“
Dabei bekam er einen so mächtigen Krampf und war für den Rest des Tages vom Unterricht befreit. Er war nie mehr derselbe. Deswegen wusste niemand darüber, dass ich eines dieser Bücher besaß und sie heimlich nachts las. Ich hütete diese wie mein Leben, denn sie hatten meinem Vater gehört und er hatte sie mir gegeben während ich auf ihn warten sollte. Tja ich hatte gewartet, doch er kam nie.
Jedenfalls war es das Beste sich nicht gegen Cyro zu stellen, da es böse Konsequenzen mit sich zog. Das wusste ich sehr gut, aber irgendwie hatte ich schon immer einen Hang dazu, zu rebellieren. Mir war auch klar, dass meine Akte an Straftaten und Auffälligkeiten größer war als der Rest meiner Klasse. Trotzdem waren es noch harmlosere Dingen und ich kam mit einer Verwarnung davon. Doch seit das mit Marc passiert war, wurde ich vorsichtiger. Ich wollte nicht auch wie er enden.
Als die Stunde endlich vorbei war (es wurde auch Zeit), packte ich meine Schultasche und ging nach Hause. Gismara sonnte sich in dem kleinen Garten, den wir hatten. Als sie mich kommen sah, blickte sie hochnäsig weg. Als sie ein Duflor war, hatte ich sie mal mit einem Feuerzeug erschreckt, worauf sie wütend wurde und Stachelspore verstreute. Ehe ich das Zeug einatmen konnte, hatte ich die Luft angehalten und ihr einen deftigen Tritt verpasst. Seit her ging unsere Partnerschaft so weit, wenn beide Seiten profitierten.
„Wir müssen zum Beerenfeld“, sagte ich knapp. Gelangweilt legte sie sich auf die Seite und gähnte.
„Ach Madam will nicht?“, fragte ich lieblich und setzte mich dazu, „na schön. Dann gibt es heute keine Pokériegel oder andere Naschereien. Dabei war ich sogar bereit dir einen Blütennektar auszugeben…“
Bei Blütennektar hatte ich sie wie ein Karpador an der Angel. Sie war blitzschnell aufgestanden und rannte mit schnellen Schritten in Richtung Beerenfeld.
„Funktioniert immer wieder“, dachte ich lachend, zählte mein Geld in der Geldbörse und folgte ihr. 

- Copyright © Kari Fumiko - Date A Live - Powered by Blogger - Designed by Johanes Djogan -